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Geobasisdaten

Geobasisdaten

Mit dem Offene-Daten-Gesetz hat sich auch Schleswig-Holstein in die Reihe der Länder mit offenen Geobasisdaten eingereiht. Noch läuft nicht alles rund, aber es gibt schon jetzt viel zu entdecken.

Nachdem am 15. April 2022 das Offene-Daten-Gesetz in Kraft getreten ist, wurde wenige Tage später auch das Downloadportal - Offene Geobasisdaten des LVermGeo SH (OpenGBD) in Betrieb genommen. Dort werden momentan die Digitale Topographische Karte in verschiedenen Maßstäben sowie die Daten aus dem Amtlichen Liegenschaftskataster (ALKIS) angeboten. Weitere Datensätze sind in Vorbereitung. Die Daten werden unter Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 zur Verfügung gestellt.

Nachdem erste Besucher*innen das OpenGBD verwendet hatten, gab es auf Twitter lautstarken Protest. Ich versuche, die wichtigsten Kritikpunkte aus der längeren (und im Ton in vielen Fällen nicht angemessenen) Diskussion zusammenzufassen:

  • Es gibt keinen direkten Link auf die Daten, man muss immer eine Art Bestellprozess durchlaufen, um an die Daten zu gelangen.
  • Das OpenGBD ist nicht für Mobilgeräte geeignet.
  • Die Software des OpenGBD ist am Ziel von offenen Geobasisdaten vorbei entwickelt, es handele sich um Steuergeldverschwendung.
  • Die Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 verhindert eine sinnvolle Kombination der Daten mit anderen Geodaten, z.B. OpenStreetMap.
  • Das angebotene Format für die ALKIS-Daten ist nicht nutzbar.

Ein Teil der Kritik ist berechtigt, an anderen Stellen sieht es eigentlich schon viel besser aus, als es ist.

Was nur für Kenner der Szene ersichtlich war: Die Software für das OpenGBD ist keineswegs eine Neuentwicklung für Schleswig-Holstein zum Anbieten freier Geodaten. Aufgrund der relativ kurzen Zeit, in der das Offene-Daten-Gesetz entstanden ist, hat man sich für die Nutzung einer bestehenden Software entschieden. Es handelt sich vielmehr um eine Art Shopsystem, das bereits mindestens in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zum Einsatz kommt. Wer dort mit Geodaten gearbeitet hat, hätte es wiedererkennen können. Die Software wurde also weder extra für offene Geodaten noch für Schleswig-Holstein entwickelt. Dass die Software auf Mobilgeräten nicht oder nicht vernünftig nutzbar ist, ist natürlich ein berechtigter Einwand.

Die Probleme, die mit der Verwendung der Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 in Kombination mit anderen Lizenzen auftreten, sind mir auch erst durch den Vortrag Herstellung der Kompatibilität der Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 zur Open Database License auf der FOSSGIS 2022 klargeworden. Ob sich dies mit dem Satz Die Daten sollen gemeinfrei, anderenfalls unbeschränkt unter freier Lizenz zur Verfügung gestellt werden. aus §5 des Offene-Daten-Gesetzes vereinbaren lässt, soll noch geprüft werden.

Fast schon kurios mutet die Kritik an dem angebotenen Format der ALKIS-Daten an. Immer wieder wird die Forderung nach Rohdaten wiederholt. Man möchte ganz an die Quelle heran, um wirklich alle vorhandenen Informationen zu bekommen. Nun bekommt man Zugang zu den Rohdaten, beschwert sich dann aber, dass man sie nicht versteht. Tja, das Leben ist kein Ponyhof! Im Ernst, manche Sachverhalte sind eben kompliziert. Nicht ohne Grund werden entsprechende Themen im Informatik- und Geographie-Studium vermittelt und es gibt dicke Fachbücher dazu. Mit etwas Interesse sowie Kenntnis von XML und Geodaten kann man sich aber auch ohne Studium in das Thema einlesen. Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland stellt auf ihrer Webseite umfangreiche Dokumentation zur Modellierung der Geoinformationen des amtlichen Vermessungswesens zur Verfügung.

Zugang zu den Daten

Schon jetzt kommt man an die Daten aber auch bequemer als über das OpenGBD heran. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Wege. Der eine Weg sind Web Feature Services (WFS), die zu einer bestimmten Abfrage (z.B. einer geographischen Region) Daten liefern. Der zweite Weg sind Downloads eines Teils der Daten. (Oft wird der Download dabei auch über einen WFS realisiert, bei der Nutzung sieht es aber so aus, als würde man eine GeoJSON-Datei herunterladen.) Über beide Methoden bekommt man übrigens die Daten in Formaten, die vielen vertrauter sind.

Web Feature Service

Die Adresse für den WFS, über den man an die ALKIS-Daten herankommt, lautet https://service.gdi-sh.de/WFS_SH_ALKIS_vereinf_OpenGBD?service=wfs&version=2.0.0&request=getCapabilities Den kann man in sein lokales GIS-Programm (z.B. QGIS) einbinden und sich dann die Daten ansehen.

Möchte man lieber schnell eine visuelle Darstellung der Daten haben, dann hilft der Web Map Service (WMS) weiter: https://service.gdi-sh.de/WMS_SH_ALKIS_OpenGBD?request=GetCapabilities&service=WMS&Version=1.3.0

Download

Ist man an den gesamten Daten einer Stadt oder Gemeinde interessiert, ist die Download-Möglichkeit bequemer. Diese Download-Links sind allerdings momentan noch etwas versteckt. Man muss schon sehr genau wissen, wo man klicken und suchen (und klicken und suchen) muss, um zu den Downloadlinks zu gelangen.

Zu jeder Gemeinde gibt es eine maschinenlesbare Liste der Downloadlinks. Ein direkter Weg zu dieser Liste führt über den Amtlichen Gemeindeschlüssel (AGS). Wenn man sich mit Daten im Bereich der Kommunen beschäftigt, kennt man den vermutlich sowieso. Unter anderen gibt es hier eine Liste: https://www.dcat-ap.de/def/politicalGeocoding/municipalityKey/

Als Beispiel wollen wir die Daten von Barsbek im Kreis Plön suchen. Barsbek hat den AGS 01057003. Die Adresse für die Datenliste lautet dann https://service.gdi-sh.de/SH_OpenGBD/feeds/Atom_SH_ALKIS_vereinf_OpenGBD/Atom_SH_ALKIS_vereinf_OpenGBD_01057003.xml. Wer nicht gerne XML-Dateien liest, findet hier auch eine Webansicht dieser Liste.

In dieser Datenliste finden wir folgende Datensätze:

Die übrigen fünf Datensätze, die mit GetVerwaltungsEinheitART beginnen, können wir an dieser Stelle ignorieren, da sie für alle Gemeinden in Schleswig-Holstein gleich sind.

Es gibt auch eine Liste, in der die Downloadlisten aller Städte und Gemeinden Schleswig-Holsteins verzeichnet sind. Die gibt es in einer Webansicht and als maschinenlesbare XML-Datei. Auch darüber kommt man zu den gewünschten Daten einer Stadt oder Gemeinde.

Was sich genau hinter den einzelnen Geodatensätzen verbirgt, werde ich in einem kommenden Blogpost schildern. Dann gibt es auch ein paar hübsche Karten.